Direktresponse für Vortragsredner

Seit ca. 2 Jahren stehe ich als professioneller Vortragsredner auf der Bühne. Davor stand ich in über 15 Jahren als Trainer, Eventmanager und natürlich auch als Referent vor verschiedenstem Publikum. Von 4 bis über 1.000 Personen, vom Vorstand bis zur Gruppe angetrunkener Außendienstler – es war so einiges dabei.

Die prägendste Erfahrung habe ich aber vor kurzem beim GSA Schultag gemacht, als ich mit meinen Kollegen Emanuel Koch und Roberto Wendt vor 220 Schülern der Klassen 8 bis 10 einen Vortrag halten durfte.

Ganz ehrlich, wer es vor diesem Publikum schafft, schafft es vor jedem.

Natürlich ist mir klar, dass nicht jedes Thema für jede Altersgruppe geeignet ist. Und natürlich hängt der Erfolg eines Vortrages auch stark vom Setting, also der Umgebung und den begleitenden Umständen ab. Trotzdem haben mich die unterschiedlichen Reaktionsformen zwischen Erwachsenen und Jugendlichen stark beeindruckt.

Ein Beispiel, dass einige Speaker Kollegen eventuell kennen. Ich empfand es immer etwas leichter, vor einem Publikum zu sprechen, dass aus eigenem Antrieb zu einer Veranstaltung kommt, als vor „geladenen“ Mitarbeitern. Und ich finde dies auch nachvollziehbar. Auf der einen Seite kommt ein Zuschauer mit der Einstellung zum Vortrag, dass er jetzt gut unterhalten und informiert wird, sonst müsste er ja nicht kommen und vielleicht hat er ja sogar dafür gezahlt. Auf der anderen Seite wurde einem Menschen vorgegeben, wann er wo zu sein hat und eventuell hält ihn unser Vortrag von etwas wichtigem ab. Natürlich sollten wir es als Profis schaffen beide zu begeistern, die Voraussetzungen bei Gruppe eins sind aber etwas erleichtert.

Nun durfte ich den ultimativen Direktresponse erleben. Eine Gruppe Jugendlicher, die so ganz anders reagierte als gewohnt. Wenn man normalerweise fragt, ob jemand auf die Bühne geht (so wie es Emanuel tut), dann rutschen Erwachsene etwas tiefer in die Sessel, um ja nicht aufgerufen zu werden. Bei unseren Schülern sprangen sofort fünf auf und über 30 Hände streckten sich nach oben. Ein Schüler war schon halb auf der Bühne und musste wieder zurück gebeten werden.

Wo liegt der Unterschied? Diese jungen Erwachsenen reagierten sofort und ohne nachdenken auf die Botschaft, die gesendet wurde. Bühne? Lust? Klar! Also los, um ja erster zu sein.

Wir Erwachsene lassen die Botschaft erst einmal sacken, denken darüber nach, wälzen sie etwas in unserem eigenen Meinungsbild und fangen dann langsam an zu reagieren. Vielleicht kommt ja bis dahin auch etwas dazwischen und wir sind nicht mehr dran.

Ich blende in meinem Vortrag ein Bild mit der Überschrift Begeisterung ein. Normalerweise liest mein Publikum das Wort, verarbeitete es und setzt es in den eigenen Kontext. Dann wird abgewartet was der Redner denn nun darunter versteht. Unsere Jugendlichen lasen das Wort und fingen an sich gegenseitig begeistert auf die Schultern zu klopfen. Ein tolles Bild, nur zugehört hat mir in diesem Moment niemand mehr.

Bild von Alexander Flögel
Bild von Alexander Flögel

Im Gegenteil, umso mehr Energie ein Sprecher in den Raum gab, umso unruhiger wurde die Gruppe, da sie mit der Energie sofort wieder heraus wollte, sich bewegen, sprechen. Es waren anders als erwartet viel mehr die ruhigen Töne erfolgreich, die fesselten und einbezogen.

Mein Fazit: es war ein tolles Erlebnis. Und es war extrem anstrengend. Ganz ehrlich, jeden Tag möchte ich das Publikum nicht vor mir haben.

Aber es war sehr lehrreich, für mein Verständnis zu meinen eigenen Botschaften. Welche Bilder in den Köpfen der Menschen erzeuge ich, welche Botschaften gebe ich? Denn dieses Publikum hat sich zu keiner Zeit verstellt. Zu jedem Input, kam der direkte Output. Direktresponse oder Aktion = Reaktion, wie immer ihr es nennen wollt.

Meine eindeutige Empfehlung. Haltet immer wieder einmal einen Vortrag vor Jugendlichen – passt euren Vortrag vorher darauf an und erlebt den Unterschied. Wir können viel daraus lernen.

Was dies mit Kreativität zu tun hat? Diese Direktheit im Denken, die Gabe dem Impuls zu folgen, das ist die kindliche Denkweise, die wir auch in der Ideenfindung benötigen und uns aneignen sollten.

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