Facebook 15 – Anerkennung 0

Wer Facebook nutzt, kennt sicher einen der anfangs evtl. noch originellen Tests des Kommunikationsgiganten. Welches Tier bin ich? Welches Land, Farbe, Essen usw. Und auch wenn sie uns nerven, erwischt sich ebenso sicher der eine oder andere beim Ausfüllen. Anschließend kann das Ergebnis stolz geteilt werden.

Damit im Sinne von Facebook auch fleißig geteilt wird, sollten die Ergebnisse natürlich positiv ausfallen. So folgten kleine Facebook-Tests. Z.B. Welchen IQ hast du? Um uns allen (ja allen) zu zeigen, dass wir intelligenter sind als der Rest der Welt. Und vor kurzem mein Lieblingstest: Wie gut ist deine Rechtschreibung, sind deine Grammatikkenntnisse?

Da meine bedenklich an der Katastrophe schrammen, habe ich mich am Test versucht und blickte stolz auf 15 von 15 Punkten – volle Punktzahl – ich Grammatikgigant. Meine Hand zuckte schon zum Teilen Button, um diese Anerkennung meiner Genialität mit der Welt zu teilen, als sich die ersten Fragezeichen bildeten. Einige der Fragen hatte ich nämlich noch nicht einmal verstanden, geschweige denn richtig beantworten können. OK, es sind Multiple Choice Tests aber konnte ich so viel Glück haben?

Um es abzukürzen. Ich habe den Test mehrmals wiederholt und egal was ich anklickte, es kamen nie weniger als 12 Punkte heraus. Es war und ist also anscheinend schlicht unmöglich den Test mit weniger als 12 Punkten abzuschließen. Der Test ist ebenso wenig ein Test, wie ein Hase Eier bringt. Warum glauben wir dann so gerne an unsere Leistung, wie kleine Kinder an Ostern?

Die Technik vermittelt uns Anerkennung. Ein falscher Test gibt uns das Gefühl etwas außergewöhnlich zu können und sofort regt sich in uns das Bedürfnis dies mit der Welt zu teilen. Verständlich.

Anerkennung (und Wertschätzung) ist einer von neun Faktoren für erfolgreiche Ideenentwicklung, für das eigene kreative Potential. (In Folge 5 und 6 wird es dazu zwei Podcastfolgen im „Weckruf für Ihre Kreativität“ geben.)

Anerkennung ist wahrscheinlich der wichtigste Stellhebel für die psychische Gesundheit von Mitarbeiter, die einem Unternehmen bzw. Vorgesetzten zu Verfügung steht. Leider behandeln wir das Thema mehr als Stiefmütterlich.

Aber in Anerkennung steckt auch das Wort „erkennen“.  Wir sollten wieder genauer hinschauen, um möglichst viele anerkennenswerte Dinge zu sehen aber dabei auch prüfen, wer oder vielmehr was uns im Alltag Wertschätzung gibt. Bei mir selbst habe ich dadurch wieder einmal erkennen müssen, wie sehr mich die „Likes“ und „Teilungen“ bei Facebook beeinflussen.

Geben wir der Anerkennung durch Menschen in der Realität mehr Wertschätzung und der Beurteilung durch die digitale Welt weniger Aufmerksamkeit.

Und dir sage ich: toll, dass du den Beitrag gelesen hast.

2 Gedanken zu „Facebook 15 – Anerkennung 0

  1. Anerkennung ist ein Motor für Sympahie. Und in Sympathiser Umgebung kann ich locker werden. Wer verspannt darauf achtet keine Fehler zu machen, der kann nicht kreativ sein, stimmt’s?

    Jetzt wäre Anerkennung passend…

  2. Es ist zwar erschreckend, wie sehr wir uns von solchen Dingen beeinflussen lassen, jedoch hat meiner Meinung nach gerade dieser Grammatiktest auch seine positive Seite.
    Wenn wir uns verbessern wollen, möchten viele Menschen ihre Fehler und Verbesserungsmöglichkeiten aufgelistet haben, damit sie daran arbeiten können. Ich halte das genau aus dem Grund der Anerkennung für falsch. Denn am besten lernen wir tatsächlich durch Ermutigung, dass bedeutet, wir verbessern uns in den Bereichen, die nach Meinung anderer sowieso schon gut sind.
    Dieser Grammatiktest könnte somit zur Folge haben, dass sich möglicherweise mehr Leute damit beschäftigen, ihre Grammatik zu verbessern (was bei einigen auch dringend notwendig ist). Zum Thema Anerkennung schreibe ich übrigens demnächst einen Artikel auf meinem Blog.

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