Vom Zauber des kreativen Augenblicks

Martin KübeckWer hat diesen Zustand nicht schon einmal erlebt? Man fährt eine längere Strecke mit dem Auto, hört gute Musik und die Gedanken bewegen sich auf einmal in einer völlig anderen Ebene. Geistesblitze, skurrile Ideen und Einfälle, Querverbindungen und Lösungsansätze sprudeln nur so durch den Kopf.

Einen schönen Ausdruck in diesem Zusammenhang habe ich von Franki Wanninger: „Synapsenfasching“.

Nils Bäumer bezeichnet diesen Vorgang als „Default Mode“. Dieser „Default Mode“ stellt sich auch ein, wenn wir vor uns hinträumen, kurz vor dem Einschlafen sind, beim Duschen, beim Ausdauersport, wie z. B. Joggen oder Schwimmen oder sogar auf dem „Thron der Ideen“ bzw. dem „stillen Örtchen“. Unsere bewertende Instanz ist ausgeschaltet oder zumindest sehr stark heruntergefahren. Und weil unser Unterbewusstsein dadurch mehr Raum hat, können Ideen aufploppen uns Geistesblitze treffen und Querverbindungen und Lösungen sichtbar werden, die vorher keine Chance hatten an die Oberfläche zu kommen. Leider liegt es aber in der Natur des Denkens, dass diese Ideen auch sehr flüchtig sind. Deshalb ist es sehr wichtig, sie sehr schnell festzuhalten. Das wiederum wirft aber ein Problem auf: Will man diese genialen Gedanken nämlich zu Papier bringen oder sie beispielsweise auf ein Diktiergerät oder den eigenen Anrufbeantworter aufsprechen um damit später zu arbeiten und um, ja, um die Welt mit diesen revolutionären Gedankenblitzen und Ideen aus den Angeln heben zu können, verlieren sie sehr schnell ihren Zauber. Sie fühlen sich auf einmal bewertet an und kommen auf die rein rationale Ebene herunter.

Eine Technik oder Vorgehensweise, die das verhindert, die den „Zauber“ dieses Zustandes erhalten kann, gibt es wohl nicht. Denn sobald wir etwas erfassen wollen, wird unsere bewertende Instanz wieder aktiviert und diese kleine Mistkröte sagt uns:

„Das ist doch alles Quatsch! Das kann nicht klappen! Hirngespinste!“

Ideen aufschreiben lohnt sich trotzdem – völlig wertungsfrei versteht sich – denn früher oder später findet jeder Gedanke, jede Notiz im gleichen Kontext oder in einem völlig anderen Zusammenhang wieder zu uns zurück. Völlig kann man die Faszination des Augenblicks wohl nicht konservieren, nicht umsonst heißt es ja: „…genieße den Augenblick“, man kann aber trainieren, seine Bewertungsinstanz bewusst auszuschalten. Nils Bäumer nennt das den „Science Fiction Modus“ und in diesem Zusammenhang weiße ich auch gerne auf sein Buch „Die 7 Säulen der Macht – reloaded“ und auf seinen neuen PodCast ab Januar 2015 hin (www.nils-bäumer.de/podcast).

…*Augenzwinkernd*… Noch eine tolle Möglichkeit ist das sogenannte „Bierstorming“… Unzählige Unternehmen, Ideen, Techniken und Entscheidungen wurden durch und mit dieser Herangehensweise geboren. Man sollte diesen Modus allerdings sehr kontrolliert einsetzen, eventuell unter Aufsicht. Das hat den Vorteil, dass mehrere Bierstorm-Modi vereint sind und die Gedankenpower dadurch… Aber lassen wir das – vielleicht ein Thema für einen weiteren Beitrag.

Liebe Gedächtnis- und/oder Kreativitätstrainer und natürlich auch alle anderen Leute, die dieses Problem kennen, wenn ihr eine Lösung wisst, eine Technik anwendet um genau diesen „Zauber des Augenblicks“ zu erhalten, meldet euch bei mir: martin.kuebeck@all4education.de

Liebe Grüße

Martin Kübeck

4 Gedanken zu „Vom Zauber des kreativen Augenblicks

  1. Wenn eine andere Tätigkeit monoton ist, komme ich in diesen Zustand, z.B. beim Autofahren. Für die Straße ist der Autopilot zuständig, das Gehirn hat freie Kapazitäten und produziert Ideen. Ob sich das bewusst steuern lässt weiß ich noch nicht, ich habe noch nicht ausprobiert, nur wegen einem Mangel an Ideen ins Auto zu steigen. Vielleicht keine schlechte Idee…

  2. Geschichten schreiben hilft manchmal.
    Nicht beim Auto fahren, aber zum Beispiel beim Sparziergang.
    Anhalten, Notizblock raus holen, auf irgendeinen Baumstamm setzen und los.

    Wichtig:
    Nicht versuchen, eine „gute Geschichte“ zu schreiben.
    Nur die Idee vorsichtig an einem Zipfel fassen, den Stift über das Papier gleiten lassen und zusehen, was passiert.
    Sobald man über logische Probleme in der Geschichte nachdenkt, ist der Augenblick vorbei.
    Nicht darüber ärgern, sondern sich über den kleinen Schatz freuen, den man geborgen hat.
    Den Notizblock dankbar wieder einpacken und weiter gehen.
    Es scheint, dass diese kleinen Kreativitätsschätze sich öfter einstellen, wenn man ihnen mit Wertschätzung begegnet. Es kann also helfen, sich Zeit zu nehmen, um bewusst in einem physischen Ladengeschäft ein besonders schönes Notizbuch zu kaufen.

  3. Meist entstehen bei mir die Ideen auch eher passiv, zB. bei einem Spaziergang durch den Wald oder eben auf dem „Thron“. Sobald jedoch der Gedankenblitz kommt, versuche ich mich ganz darauf einzulassen und alles andere um mich herum erst einmal zu vergessen (was bei einem Spaziergang peinlich sein kann, wenn man in Trance jemanden anrempelt…). Meist sind die Wertungen dabei automatisch ausgeschaltet bzw. alles wirkt erst einmal gut. Habe ich genug Ideen gesammelt, gehe ich sie so oft wie möglich im Kopf durch, um sie mehr oder weniger auswendig zu lernen und später zu verschriftlichen.
    Beim aktiven Prozess ist mein Favorit das wertungsfreie Brainstorming: Einfach alles, was in den Kopf kommt so schnell wie möglich aufschreiben und zum Schluss kombinieren, sortieren und filtern.

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